| „Behind the face“ Das Gesicht, visuelles Zeugnis unseres Seelenkörpers. Es ist kaum möglich, einem Menschen ohne Vorteile zu begegnen, ihm gegenüberzutreten, in sein Angesicht zu blicken, ohne eine gezielte Meinung zu bekennen. Und genau hier setzt die Tragik unseres Dasein ihren unerbittlichen Rotstift der Verwirrung an. Schon der erste Blickkontakt verseucht unsere vermeintliche, wertfreie, vorurteilslose Menschlichkeit, lässt eine neutrale Begegnung schwinden, auslöschen und ein Klischee „Mensch“ entstehen, bis dieses Erscheinungsbilder wieder zur vermeintlichen Realität manifestiert wird und der Glaube, frei von Vorurteilen zu sein, wieder erhoben wird... Auf exakt dieser Ebene setzt meine Bildsprache dem menschlichen Auge eine Widerstand entgegen und den versetzt den Betrachter in eine emotionale, verwirrende Gefühlswelt, ohne dass er das „Warum“ erkennt. Durch die Bedeckung des nackten Körpers mit diversen Materialien wie Schlamm, Nylon, Farbe oder durch die Verzerrung eines Spiegels, nehme ich die materielle Aura aus dem Bild des fotografierenden Körpers, und der Betrachter beginnt mit Mühe, hinter die somit auferlegte Fassade zu blicken, um das wahre Gegenüber zu erkennen. Nun steht der Betrachter zwischen emotionaler und meditativer Reflektion, bricht seine Seele auf und gibt sich zuletzt doch der Erkennung hin, das die Hülle nicht den Menschen macht. Harald Wiesleitner
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